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Turnfahrt 2020

Erstmals sollte in diesem Jahr die Turnfahrt nicht über das Bettags-Wochenende stattfinde. Weil alle potentiellen Teilnehmer unterdessen im Pensionsalter sind, müssen wir nicht unbedingt an einem Wochenende unterwegs sein. Darum haben wir für 2020 den Termin für die Zweitägige auf Donnerstag 27. August und Freitag 28. August festgelegt. Peter hatte uns an der GV als vorläufiges Ausflugsziel das Elsass in Aussicht gestellt. Dann kam das Coronavirus, das so vieles durcheinander wirbelte. Und für uns stellte sich plötzlich die Frage, ob wir überhaupt eine Turnfahrt durchführen können oder wollen. Anfangs Juni teilte uns Peter mit, dass er auf das Reiseziel Elsass verzichten wolle und auf der Suche nach Alternativen in der Schweiz sei. Gleichzeitig wollte er in einer kleinen Umfrage die Meinung der Männerturner zum Thema Turnfahrt unter bestimmten Corona-Auflagen erforschen. 

Anfangs Juli präsentierte uns Peter ein alternatives Reiseprogramm im Gebiet Thuner- und Brienzersee für den vorgesehenen Termin. Und siehe da: Bis Mitte Juli bekundeten 18 Vereinsmitglieder durch ihre Anmeldung ihr Interesse, auch in diesem Jahr bei einer Zweitägigen dabei sein zu wollen. 

Und diese Achtzehn versammelten sich dann am 27. August vollzählig, erwartungsvoll und pünktlich auf dem Schützenparkplatz. Um 07.30 starteten wir im komfortablen Kleinbus der Gautschy Bus AG mit Benni hinter dem Lenkrad Richtung Bern. Trotz – freiwilligem – Maskentragen war eine Unterhaltung möglich und schon bald ganz angeregt und selbstverständlich. Nach einem kurzen Zwischenstopp beim Grauholz ging es zügig weiter über Thun, Interlaken nach Habkern, dem schmucken Bergdorf am Fusse des Augstmatthorns. (Zur Erinnerung: Auf der Turnfahrt im Jahre 2009 haben wir in diesen Ort übernachte.) Im Garten des Restaurants Bären wurden wir bereits erwartet und umgehend mit Kaffee und Gipfeli versorgt. Dermassen gestärkt wechselten wir zur nebenanliegenden Alphornbau-Werkstatt Bernatone. Der Chef, Heinz Tschiemer, persönlich nahm uns in Empfang, orientierte uns in einem kurzen Referat über die geschichtliche Entwicklung und den Stellenwert des Alphorns im alpinen Brauchtum. Danach erklärte er uns in der Werkstatt die einzelnen Arbeitsschritte, die aus Fichtenholz ein rohes Alphorn werden lassen, das dann noch zum Schutz mit Rattan ummantelt wird. Die Fichten stammen aus der Gegend und sind in Wäldern über 1400 m. ü. M. gross geworden. In dieser Höhe wachsen die Bäume nur langsam und dadurch ist das Material sehr kompakt; die Jahrringe sind kaum zu erkennen. Ans Werk gehen die T»schiemer’s nicht mehr mit Stechbeutel und Schnitzmesser, sondern mit modernen CNC-Maschinen. So werden auch die Mundstücke aus Oliven- oder Buchsbaumholz maschinell in vielen Variationen hergestellt. Dennoch steck in jedem Instrument nach wie vor sehr viel Handarbeit gepaart mit handwerklichem Geschick und viel Erfahrung. Die ebenso kurzweilige wie informative Führung und Besichtigung musste natürlich noch mit einer musikalischen Kostprobe abgeschlossen werden. Ein Mitarbeiter, wischte kurzerhand die staubigen Hände an der Schürze ab, trat mit einem schönen Instrument vor das Haus und intonierte einige Stücklein, mit denen er uns zeigte, dass der Könner mit diesem Naturtoninstrument eine Bandbreite von drei bis vier Oktaven bedienen kann. 

Nach diesem kulturellen Abstecher ging es mit dem Bus wieder hinunter nach Interlaken und dann weiter zum Ausgangspunkt der ersten Wanderetappe. Um 12.30 Uhr entliess uns der Busfahrer beim Grandhotel Giesbach. Mit dem kurzen Abstieg zum See mussten wir uns die Mittagspause verdienen. Im Bereich der Schiffanlegestelle und der Talstation der historischen Standseilbahn, die zum Hotel hochführt, konnten wir uns bequem niederlassen und uns mit dem im Rucksack Mitgebrachten stärken. Abschliessend offerierte uns Rudi ein "Verrisserli", das uns auch den nötigen Schwung für die anschliessende Wanderung entlang des Brinzersees verlieh. Nach rund zwei Stunden auf einem angenehmen Uferweg erreichten wir Iseltwald. In einem Gartenrestaurant durften wir uns von Peter Locher einladen lassen, unseren Durst mit Bier oder Most zu stillen. Besten Dank! Von Iseltwald liessen wir uns zu unserer Unterkunft Hotel Meielisalp oberhalb Leissigen fahren. Nach dem Zimmerbezug unternahmen noch viele einen kurzen Abstecher zu der eindrücklichen 144 m langen Hängebrücke, die ein 60 m tiefes Tobel überspannt und Teil des Panaromawegs Thunersees ist.

Etwas ausgeruht und frisch geduscht traf man sich um 18.30 Uhr auf der Sonnenterasse zum Apéro, der freundlicherweise von Peter gespendet wurde, um anzustossen und die schöne Abendstimmung über dem Thunersee zu geniessen. Herzlichen Dank! Im Speisesaal wurde unterdessen mit anticoronalem Abstand aufgetischt und schon bald konnten wir uns ein feines dreigängiges Menu schmecken lassen, das keine Wünsche offen liess. Die einen gingen bald nach dem Essen auf ihre Zimmer; andere genehmigten sich noch einen Schlummerbecher, der von Kurt offeriert wurde. Dankeschön! Alle kamen sicher weit vor Mitternacht zur Ruhe.

Ein Blick aus dem Fenster am Morgen des Freitags stimmte hoffnungsvoll. Der Nisen präsentierte sich mit einem goldigen Anstrich, die Sicht auf See und Niederhorn war unverhüllt – die Wettervorhersagen bestätigten sich. Nach dem Morgenessen und dem Verlad des Gepäcks bestiegen wir einmal mehr den Bus und liessen uns von Beni über Interlaken, Brienz, Brünig nach Hasliberg Wasserwendi fahren. Noch einmal mussten wir den Rucksack schnallen und die Wanderschuhe fester binden. Und schon schritt Peter voraus und führte uns zielsicher auf dem gut ausgebauten Panoramaweg in rund zwei Stunden auf die Brünig-Passhöhe. Auch das anschliessende Mittagessen im Aussenbereich des Restaurants Waldegg konnten wir bei angenehmer Temperatur und absolut regenfrei geniessen – die Wetterprognosen sahen anderes vor. Fast hätte ich es vergessen. Auch bei dieser Einkehr fand sich in der Person von Peter Lecsko ein Spender für eine erste Runde. Dankeschön! 
Auf der anschliessenden Heimfahrt machten wir in Lungern nochmals Halt, um einen Blick in den Keller einer Alpkäserei zu tun und ein Stück würzigen Alpkäse als Mitbringsel zu erstehen. Dank der vakuumierten Verpackung, war auch die weitere Busfahrt durch keinerlei üble Gerüche beeinträchtigt. Erstaunlicherweise brach auch die lebhafte Unterhaltung kaum ab, die sonst oft übliche Mittagsschlafstille blieb aus. Ob uns Peter wohl zu wenig gefordert hatte?

Endlich zeigte sich irgendwo auf der Höhe von Luzern der angekündigte Wetterwechsel mit einsetzenden Regenschauern. Bei der Ankunft gegen 17 Uhr in Rheinfelden war es feucht, trübe und spürbar kühler geworden. Was aber der guten Stimmung und der Freude über eine gelungene Zweitägige keinen Abbruch anhaben konnte. Sicher wird uns Peter auch im nächsten Jahr mit einem tollen Vorschlag motivieren können, dabei zu sein. Jedenfalls danke wir ihm ganz herzlich für die Organisation und tadellose Durchführung dieser Turnfahrt. Der Aufwand war in diesem Jahr noch grösser, musste er doch relativ kurzfristig umdisponieren, für eine geeignete Unterkunft sorgen und ein interessantes Angebot auf die Wege bringen.

Vielen Danke auch allen Teilnehmern, die sich trotz Covid-19 nicht davon abhalten liessen, dabei zu sein.